Call for Papers – Digitale Transformation im Diskurs

Für den Online-Sammelband Medien im Diskurs mit dem Titel »Digitale Transformation im Diskurs. Kritische Perspektiven auf Entwicklungen und Tendenzen im Zeitalter des Digitalen« läuft noch bis zum 17. Juli 2017 ein Call for Papers.

Herausgeber
Christian Leineweber und Claudia de Witt

Thema
Dem Einsatz von Technik ist stets ein Emanzipationspotenzial implizit. Mit Technik – so Hans Blumenberg (1982) – maximiert sich „die Reichweite jedes Daseins“, sie erlaubt uns „Sprünge, statt Schritte zu machen.“ Inhärent ist diesem Potenzial die Hoffnung auf eine Verbesserung des individuellen und gemeinschaftlichen Lebens.

Diese Hoffnung ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts in besonderer Weise in das Phänomen der Digitalisierung eingebettet. Die Digitalisierung transformiert tiefgreifend die Art und Weise, wie wir arbeiten, uns informieren, kommunizieren, ja leben und eröffnet somit den Horizont für Innovation, Wachstum, Fortschritt und Wohlstand. So spielt sie eine exponierte Rolle hinsichtlich der Entwicklung sowie Gestaltung von Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Bildung – populäre Schlagworte sind hier: „Enterprise 2.0“, „Industrie 4.0“ oder „digitale Bildung“.

Ein Bedarf an kritischen Perspektiven manifestiert sich dadurch, dass der Einsatz digitaler Technologien und die Nutzung digitaler Medien ebenso Tendenzen evoziert, die auf eine Zunahme von äußeren Einflüssen, Einschränkungen, Herausforderungen oder gar Zwängen referieren: Angedeutet sind diese Tendenzen beispielsweise durch eine zunehmende Kommodifizierung digitaler Angebote, der Beschleunigung von Kommunikation, der Erhöhung von Kontingenz, einer ungehemmten Ansammlung von Daten (Big Data), den Empfehlungen eigenständig kommunizierender Maschinen – Stichwort: Internet der Dinge – oder den Formen eines digital geprägten Kapitalismus, in denen der Einzelne durch Selbstoptimierungspraktiken als „unternehmerisches Selbst“ (vgl. Bröckling, 2007) agiert und durch Überforderung zum „erschöpften Selbst“ (vgl. Ehrenberg, 2004) verkommt. Diese Phänomene sind Ausdruck einer paradoxen Bewegung, in der die Emanzipationsverheißungen des Digitalen gleichsam zu Gegenfiguren der Emanzipation sowie der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Autonomie und damit auch Bildung führen.

Infolgedessen widmet sich unser Sammelband der Aufarbeitung von Phänomenen, die kontradiktorisch zum Emanzipationspotenzial des Technischen stehen und die Digitalisierung in ein kritisches Licht rücken. Mit diesem Call for Papers sind interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachrichtungen dazu aufgerufen, Aspekte, die auf struktureller Ebene durch Digitalisierung und auf handlungsorientierter Ebene durch die Nutzung digitaler Medien entstehen, thematisch zu verhandeln. Im Fokus sollen dabei ausdrücklich Gegenpositionen zum aktuell wahrnehmbaren Digitalisierungshype stehen. Wir folgen damit der These, dass die besonderen Potenziale der Digitalisierung erst dann final abgeschätzt werden können, wenn auch ihre Schattenseiten interdisziplinär beleuchtet werden.

Themenschwerpunkte

  • Stellungnahmen, die die Notwendigkeit einer kritischen Haltung gegenüber der Digitalisierung betonen;
  • Theoretische Reflexionen, welche die Dialektik zwischen Freiheit, Selbstbestimmung, Autonomie, Mündigkeit einerseits und Zwang, Fremdbestimmung, Heteronomie, Unmündigkeit andererseits im Kontext der Digitalisierung aufarbeiten;
  • Interdisziplinäre sowie innovative Ideen und Konzeptionen darüber, wie eine zeitgemäße Kritik digitaler Medien aussehen könnte;
  • eine historische oder genealogische Analyse der Digitalisierung und daraus hervorgehende, kritisch konnotierte Implikationen;
  • die kritische Würdigung aktueller Entwicklungen wie Big Data, digitaler Kapitalismus, beschleunigte Strukturen und daraus resultierender Bedeutungen für Welt- und Selbstverhältnisse des Einzelnen;
  • die Beleuchtung und Starkmachung damit verbundener Konsequenzen, wie z. B. digitale Mündigkeit oder digitale Selbstbestimmung;
  • Überlegungen und Ansätze, die kritische Akzentuierungen nutzen, um zukunftsorientierte Perspektiven auf Digitalisierung, technischen Fortschritt und Bildung aufzuzeigen oder Vorschläge für notwendige Maßnahmen zu verweisen.

Interessierte Autorinnen und Autoren, die einen Beitrag zum Sammelband einreichen möchten (Länge der Beiträge: 5 bis 15 Seiten), werden gebeten, ein kurzes Abstract (max. halbe Seite) an die E-Mail-Adresse zu senden, um den inhaltlichen Schwerpunkt darzulegen. Konkrete Hinweise zur inhaltlichen und formalen Gestaltung werden im Zuge der Rückmeldung übermittelt. Die Beiträge werden im Rahmen eines Double-blind-Review-Verfahrens begutachtet.

Hintergrund
Der Online-Sammelband „Digitale Transformation im Diskurs“ erscheint im Rahmen der Reihe „Medien im Diskurs“, die durch das Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik (Leitung: Prof. Dr. Claudia de Witt) der FernUniversität in Hagen geführt wird.

Sämtliche Texte werden ausschließlich online unter der Domain www.medien-im-diskurs.de veröffentlicht. Somit entfällt ein langer Publikationsprozess und die Artikel können zeitnah den Diskurs bereichern. Da es aufgrund der Online-Publikation keinen verbindlichen Drucktermin für alle Autorinnen und Autoren gibt, besteht auch für die Einreichung von Beiträgen keine Deadline. Die erste Veröffentlichungsrunde ist jedoch für November 2017 geplant. Dafür muss ein Abstract bis 17. Juli 2017 eingereicht werden. Alle veröffentlichten Beiträge stehen unter einer Creative Commons Namensnennung‐NichtKommerziell‐KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz. Neue Beiträge werden fortlaufend veröffentlicht und der Sammelband wird auf diese Weise stetig erweitert. Alle Beiträge werden mit einem Eintrag bei der Dt. Nationalbibliothek versehen. Darüber hinaus werden die Texte der Datenbank FIS Bildung (Literaturdatenbank im Fachportal Pädagogik) gemeldet und ggf. in andere Fachportale eingetragen.

Einreichungen
Der Einsendeschluss für das Abstract ist der 17. Juli 2017.

Interessierte Autorinnen und Autoren werden gebeten, ein kurzes Abstract (max. halbe Seite)
an die E-Mail-Adresse zu senden.

Weiterführende Informationen: http://www.medien-im-diskurs.de

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